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ÖRR · Bayerischer Rundfunk

Das Vorgespräch

Wie eine BR-Moderatorin und die bayerische Gesundheitsministerin ein als spontan präsentiertes Interview vorher absprachen.

Stand: September 2026

Die Fakten

Was zu sehen ist

Der Mitschnitt zeigt nicht das eigentliche Interview, sondern die Minuten davor. Moderatorin Ursula Heller bespricht mit Ministerin Melanie Huml, dass im nachfolgenden – als spontan präsentierten – Gespräch über die Corona-Warn-App gesprochen werden soll. Die App war zu diesem Zeitpunkt neu, ihre Nutzung freiwillig; belastbare Zahlen zur Wirksamkeit lagen nicht vor, weil der Bund keine entsprechenden Daten lieferte.

Da können Sie sich ja irgendwie rausreden

Ursula Heller im Vorgespräch zu Ministerin Melanie Huml, laut Mitschnitt vom 10.7.2020

Die Moderatorin schlägt der Ministerin damit sinngemäß vor, die App im Interview als hilfreich darzustellen, ohne sich auf konkrete Belege festzulegen. Was das Publikum später als unvorbereitete, kritische Nachfrage zu sehen bekam, war zuvor gemeinsam abgestimmt worden.

Zeitlicher Ablauf

10.07.2020
Aufzeichnung von Vorgespräch und Interview für die BR-"Rundschau"
Jahre danach
Mitschnitt kursiert zunächst über einen YouTube-Kanal und in Kreisen außerhalb etablierter Medien
Februar 2025
Das unabhängige Medienkritik-Portal Übermedien ordnet den Mitschnitt journalistisch ein

Befund

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert sich mit dem Anspruch, staatsfern und unabhängig zu berichten. Ein Vorgespräch, in dem die Moderatorin der Politikerin verrät, wie sie eine unbequeme Frage umgehen kann, kehrt diese Rollenverteilung um. Nicht die einzelne Frage zur Corona-Warn-App ist der Befund – sondern dass die Offenheit dieser Frage im Vorfeld beseitigt wurde.

Warum das mehr als ein Einzelfall ist

Dass eine als spontan verkaufte Interviewsituation tatsächlich vorbereitet war, betrifft das Grundversprechen gebührenfinanzierten Journalismus: dass Fragen offen gestellt und Antworten unabhängig geprüft werden. Wird dieses Versprechen im Einzelfall gebrochen, verliert nicht nur die einzelne Sendung an Glaubwürdigkeit – sondern die Institution, die sich genau darauf beruft, um ihre Finanzierung zu rechtfertigen.