Wächter ohne Wache

Die Fünfte

Wie der Mann, der jahrelang öffentliche Gewissheit verkörperte, vor dem eigenen Ausschuss verstummt

Am 29. Juli 2026 saß Anthony Fauci, 85, drei Stunden lang vor dem Heimatschutzausschuss des US-Senats – und beantwortete praktisch keine einzige Frage.

„Auf Anraten meiner Anwälte berufe ich mich respektvoll auf mein Recht aus dem Fünften Verfassungszusatz.“ Wiederholte Formel Faucis, mehr als hundertmal geäußert – dokumentiert von CNN und NBC News, 29.07.2026

Die Fakten

Damals und heute

Damals

Öffentliche Gewissheit als Amtsprinzip. Fauci beriet sieben US-Präsidenten, zuletzt als Chefberater Bidens. Widerspruch gegen seine Einschätzungen wurde routinemäßig als Angriff auf „die Wissenschaft" gerahmt.

Heute

Vollständiges Schweigen zur eigenen Amtsführung – unter Berufung auf ein Recht, dessen Grundlage (Selbstbelastungsgefahr) durch die eigene Begnadigung eigentlich entfällt.

Zeitlinie

Januar 2025
Biden begnadigt Fauci präventiv, letzter voller Amtstag.
April 2026
US-Justizministerium klagt David Morens, langjährigen Fauci-Vertrauten im NIAID, wegen Verschleierung von Aufzeichnungen zur Corona-Ursprungsfrage an.
29. Juli 2026
Fauci beruft sich in Senatsanhörung über hundertmal auf den Fünften Verfassungszusatz. Ausschussvorsitzender kündigt Missachtungsverfahren an.

Ein Faktencheck, der selbst einen Fehler hat

Im Zuge der Anhörung wurden auch SMS Faucis vom 25. Januar 2021 öffentlich, in denen er zwei Regierungsmitgliedern schrieb, ein ausgeprägter Zytokinsturm nach der zweiten Impfdosis könnte theoretisch mit Fehlgeburten im ersten Trimester zusammenhängen. Nur wenige Tage später erklärte er öffentlich, es gebe „bislang keine Warnsignale" bei Schwangeren. Die ARD-Tagesschau erklärte diesen Widerspruch in einem Faktencheck für aufgelöst: Dazwischen sei am 27. Januar 2021 eine „erste Auswertung" der rund 15.000 bei der US-Gesundheitsbehörde CDC gemeldeten Schwangeren veröffentlicht worden, die kein erhöhtes Risiko gezeigt habe.

Was die CDC-Quelle tatsächlich hergibt

Die Tagesschau behauptet also eine Datengrundlage für Faucis Kurswechsel, die zum genannten Zeitpunkt nachweislich noch nicht vorlag. Das ändert nichts an der Faktenlage von heute: Mehrere seither veröffentlichte Studien – darunter eine Metaanalyse über 23 Studien im Fachjournal Nature – fanden keinen Zusammenhang zwischen mRNA-Impfung und erhöhtem Fehlgeburtsrisiko. Aber die konkrete Begründung, mit der die Tagesschau Faucis Positionswechsel im Januar/Februar 2021 rechtfertigt, hält der eigenen Quelle nicht stand.

Die eigentliche Frage

Nicht die Frage, ob Fauci etwas zu verbergen hat, lässt sich aus alldem seriös beantworten – das kann nur ein Ausschuss oder ein Gericht klären, und beide sind noch nicht fertig. Die belastbare Beobachtung ist eine andere: Institutionelle Autorität, die während einer Krise kaum hinterfragt werden durfte, wird in der Aufarbeitung zäh verteidigt – notfalls durch vollständiges Schweigen, selbst wenn die rechtliche Notwendigkeit dafür fraglich ist. Das ist unabhängig davon bemerkenswert, wie man zur Corona-Politik selbst steht.

Quellen