PMK-Statistik 2025: Was die Zahlen zeigen, wie Propagandadelikte zugeordnet werden und wie ZDFheute berichtet hat
Die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) weist für 2025 rund 42.500 rechte und rund 13.500 linke Straftaten aus. Der Beitrag legt offen, woraus sich diese Zahlen zusammensetzen, nach welcher Regel unbekannte Täter bei Propagandadelikten eingeordnet werden und was der Artikel von ZDFheute vom 9. Juni 2026 dazu enthält.
Beleg-Ampel
| Status | Aussage | Grundlage |
|---|---|---|
| belegt | PMK 2025: 85.837 Straftaten; rechts 42.544, links 13.490; Gewalttaten rechts 1.598, links 1.087. | Kategorie 1: BMI-Fact-Sheet, Fallzahlen 2025 |
| belegt | Propagandadelikte machen 58,99 % der PMK-rechts-Straftaten aus (25.098 Fälle), bei PMK-links 407 Fälle. | Kategorie 1: BMI-Fact-Sheet |
| belegt | Von Unbekannt verübte rechte Propagandadelikte (NS-Symbole) werden PMK-rechts zugeordnet, wenn keine gegenteiligen Tatsachen vorliegen. | Kategorie 1: Antwort der Bundesregierung, Drucksache 21/794 |
| eigene Rechnung | Rund 60 % der rechten Propagandadelikte hatten 2023 und 2024 keinen bekannten Tatverdächtigen. | Berechnet aus Zahlen der Drucksache 21/794 |
| eigene Rechnung | Ohne Propagandadelikte verschiebt sich das Verhältnis rechts zu links von 76 : 24 auf 57 : 43. | Berechnet aus BMI-Fact-Sheet |
| belegt | ZDFheute nennt den Propaganda-Anteil bei PMK-rechts, den Anstieg links (+35,29 %) und links-Gewalt (+42,6 %). | Kategorie 2: ZDFheute, 09.06.2026 (Volltext gelesen) |
| belegt | Der ZDFheute-Artikel erwähnt die Zuordnungsregel für unbekannte Täter nicht. | Kategorie 2: ZDFheute, 09.06.2026 |
| nicht belegt | Eine verzerrende oder verschweigende Darstellung der Statistik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. | Keine Quelle gefunden (siehe Beleglücken-Box) |
Die Zahlen 2025
Das Bundesinnenministerium und das Bundeskriminalamt haben die Fallzahlen für 2025 am 9. Juni 2026 vorgestellt. Registriert wurden 85.837 politisch motivierte Straftaten, rund zwei Prozent mehr als 2024. Die Verteilung nach Phänomenbereichen sieht so aus:
| Phänomenbereich | Straftaten | davon Gewalt | davon Propaganda |
|---|---|---|---|
| PMK-links | 13.490 | 1.087 | 407 |
| PMK-rechts | 42.544 | 1.598 | 25.098 |
| PMK-ausländische Ideologie | 6.886 | 704 | 1.506 |
| PMK-religiöse Ideologie | 1.983 | 98 | 600 |
| PMK-sonstige Zuordnung | 20.934 | 669 | 2.786 |
| Gesamt | 85.837 | 4.156 | 30.397 |
Quelle: BMI, Bundesweite Fallzahlen 2025 – Politisch motivierte Kriminalität, Stand Juni 2026 (Tabellen 1, 2 und 9)
Gegenüber 2024 sanken die rechten Straftaten insgesamt leicht (−0,57 %), die rechten Gewalttaten stiegen um 7,39 %. Bei links stiegen die Straftaten um 35,29 % und die Gewalttaten um 42,65 %. Der Großteil der linken Fälle sind Sachbeschädigungen (7.062 Fälle, 52,35 % der PMK-links-Straftaten). Bei PMK-rechts sind es Propagandadelikte, also das Verbreiten von Propagandamitteln oder das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach den §§ 86 und 86a StGB. Fast alle davon (99,66 %) wurden im Themenfeld Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus gemeldet.
Dasselbe Zahlenmaterial in vier Zuschnitten
Die folgenden Balken zeigen den Anteil von PMK-rechts und PMK-links, jeweils nur bezogen auf die Summe beider Bereiche. Die übrigen Phänomenbereiche sind hier nicht enthalten. Alle Anteile sind eigene Berechnungen aus den Zahlen des BMI.
Die Zuordnungsregel für unbekannte Täter
Politisch motivierte Straftaten werden bereits bei der Anzeige einem Phänomenbereich zugeordnet (Eingangsstatistik). Maßgeblich sind die Tatumstände und, soweit bekannt, die Einstellung des Täters. Für eine Tatgruppe gilt eine ausdrückliche Sonderregel. Die Bundesregierung hat sie am 4. Juli 2025 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (Drucksache 21/542) bestätigt. Danach sind von Unbekannt verübte rechte Propagandadelikte, insbesondere Hakenkreuze und SS-Runen, dem Bereich PMK-rechts zuzuordnen, wenn keine gegenteiligen Tatsachen zur Tätermotivation vorliegen. Die Regel steht in der Ausfüllanleitung zur KTA-PMK (Stand 30.10.2024, gültig seit 1.1.2025, Punkt 12, Seite 21).
Die Bundesregierung beschreibt dies als Sonderregelung, die auf kriminalistischen Erfahrungswerten beruht und sich in der Praxis weiterhin bestätige. Weitere Regeln dieser Art für unbekannte Täter gebe es in der Ausfüllanleitung nicht. Wie oft die Regel angewendet wurde, lasse sich nicht auswerten, weil Begründungen zur Zuordnung nicht dokumentiert würden.
Wie groß ist der betroffene Bereich?
Die Antwort der Bundesregierung enthält Zahlen zu Propagandadelikten, bei denen der Tatverdächtige unbekannt ist:
| Tatzeit | davon PMK-rechts | Gesamt (alle Bereiche) | Anteil rechts |
|---|---|---|---|
| 2023 | 9.993 | 10.850 | 92,10 % |
| 2024 | 16.175 | 17.497 | 92,44 % |
Quelle: Bundestag, Drucksache 21/794 vom 07.07.2025, Antwort auf Frage 3 (Stichtag jeweils 31. Januar des Folgejahres)
Zum Vergleich nennt dieselbe Drucksache für PMK-rechts insgesamt 16.698 Propagandadelikte (2023) und 26.318 (2024). Daraus ergibt sich als eigene Rechnung: 2023 hatten rund 60 % und 2024 rund 61 % der rechten Propagandadelikte keinen bekannten Tatverdächtigen.
Frühere Sonderregel bei antisemitischen Straftaten
Bis zum 31. Dezember 2023 galt laut Drucksache 21/794 eine weitere Sonderregel: Antisemitische Straftaten ohne Anhaltspunkte für einen bestimmten Phänomenbereich wurden PMK-rechts zugeordnet. Seitdem erscheinen solche Fälle unter „sonstige Zuordnung“ (so auch Correctiv). Die Bundesregierung teilt mit, die Aufhebung habe statistisch keine Auswirkungen auf die PMK-rechts-Zahlen gehabt: antisemitische Delikte in diesem Bereich sanken von 3.034 (2023) auf 3.016 (2024). Für 2025 verteilen sich die 6.548 antisemitischen Straftaten so:
| Phänomenbereich | Antisemitische Straftaten 2025 |
|---|---|
| PMK-rechts | 3.056 |
| PMK-ausländische Ideologie | 2.293 |
| PMK-religiöse Ideologie | 613 |
| PMK-sonstige Zuordnung | 457 |
| PMK-links | 129 |
Quelle: BMI, Fallzahlen 2025, Tabelle 15
Berichtslage zum 9. Juni 2026
ZDFheute veröffentlichte am 9. Juni 2026 um 10:00 Uhr einen Überblicksartikel von Jan Henrich. Er enthält diese Angaben:
- PMK-rechts: 42.544 Fälle. Die meisten davon gingen auf Propagandadelikte zurück, etwa das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
- Rechte Gewalttaten: 1.598 Fälle, sieben Prozent mehr als im Vorjahr.
- PMK-links: 13.490 Fälle, 35,29 % mehr als 2024. Linke Gewalttaten stiegen um 42,6 % von 762 auf 1.087. Der Großteil der linken Fälle seien Sachbeschädigungen.
- Die Zuordnungsregel für unbekannte Täter wird im Artikel nicht erwähnt.
| Quelle | Datum | Kernaussage | Propaganda-Anteil genannt | Zuordnungsregel genannt |
|---|---|---|---|---|
| ZDFheute (öffentlich-rechtlich) | 09.06.2026 | Neuer Höchstwert; Großteil rechts, links steigt stark | ja | nein |
| Bundesregierung (Primärquelle) | 09.06.2026 | Höchststand; PMK-rechts weiterhin fallzahlenstärkster Bereich; deutlicher Anstieg linker Gewalt | im Auszug nicht ersichtlich | im Auszug nicht ersichtlich |
| Berliner Zeitung | 09.06.2026 | Teaser: rechte Taten fast die Hälfte, linke Gewalt steigt stark; Dobrindt sieht die größte Gefahr im Rechtsextremismus | Volltext hinter Bezahlschranke | Volltext hinter Bezahlschranke |
| Schwäbische Zeitung (dpa) | 09.06.2026 | Neuer Höchststand mit 85.837 Taten, knapp zwei Prozent mehr als 2024 | im Auszug nicht ersichtlich | im Auszug nicht ersichtlich |
Geprüft wurden öffentlich zugängliche Texte beziehungsweise Auszüge. Nur der ZDFheute-Artikel wurde vollständig gelesen.
Was für die bestehende Praxis spricht
- Die Bundesregierung begründet die Sonderregel mit kriminalistischen Erfahrungswerten, die sich in der Praxis bestätigt hätten.
- Die Regel gilt nur, wenn keine gegenteiligen Tatsachen vorliegen. Auch bei Hakenkreuzen auf Wahlplakaten erfolgt laut Bundesregierung zunächst eine Einzelfallprüfung.
- Wie unterschiedlich Fälle dabei eingeordnet werden, zeigt die Drucksache 21/794: Bei Wahlplakaten mit verbotenen Kennzeichen wurden 2024 nur 11 von 68 Fällen mit AfD als Angriffsziel PMK-rechts zugeordnet (16,17 %). Bei den anderen im Bundestag vertretenen Parteien lagen die Anteile zwischen 83,87 % und 97,95 %; Ausnahme ist die CSU mit 2 von 4 Fällen.
- Die PMK ist eine Eingangsstatistik. Sie erfasst Anzeigen und Verdachtsfälle, keine Verurteilungen. Nachmeldungen nach dem 31. Januar des Folgejahres fließen nicht mehr ein.
- In absoluten Zahlen liegen rechte Gewalttaten (1.598) und die dadurch Verletzten (1.146) über den linken (1.087 beziehungsweise 486).
- ZDFheute nennt den hohen Propaganda-Anteil bei PMK-rechts und berichtet den Anstieg im linken Spektrum ausführlich.
Was sich aus den vorliegenden Quellen nicht belegen lässt
- Wie oft die Sonderregel tatsächlich angewendet wurde. Nach Angabe der Bundesregierung ist das nicht auswertbar.
- Die Zahlen zu unbekannten Tatverdächtigen liegen nur für 2023 und 2024 vor, nicht für 2025.
- Ob ARD und tagesschau.de den Propaganda-Anteil oder die Zuordnungsregel erwähnt haben. Deren Berichterstattung wurde nicht ausgewertet.
- Berichte freier Medien zur PMK 2025 wurden nicht gesichtet.
- Eine Inhaltsanalyse, die den Anteil der Beiträge über Rechts- und Linksextremismus bei ARD und ZDF auszählt, wurde nicht gefunden. Ein Verhältnis von „80 zu 20“ in der Berichterstattung ist daher nicht belegt.
- Eine verzerrende oder verschweigende Darstellung der PMK-Statistik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist durch die geprüften Quellen nicht belegt.
Quellen
- Kat. 1Bundesministerium des Innern: Bundesweite Fallzahlen 2025 – Politisch motivierte Kriminalität, Stand Juni 2026 (Fact Sheet, Artikelnummer BMI26013). PDF (Kopie beim LSVD)
- Kat. 1Deutscher Bundestag: Drucksache 21/794 vom 07.07.2025, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (Drucksache 21/542). PDF
- Kat. 1Bundesregierung: Neuer Höchststand politisch motivierter Gewalt
- Kat. 2ZDFheute, Jan Henrich: Dobrindt stellt Zahlen zu politisch motivierter Kriminalität vor, 09.06.2026
- Kat. 2Correctiv-Faktencheck: Importierter Antisemitismus? Warum Fachleute Merz widersprechen, 03.07.2025
- Kat. 2Berliner Zeitung: Politische Kriminalität auf Höchststand: Dobrindt für Reform bei Politikerbeleidigung
- Kat. 2Schwäbische Zeitung/dpa: Gewalt von Linken und Rechten nimmt zu
Die Anteile in den Balken und die Angaben „ohne Propagandadelikte“ sowie „rund 60 %“ sind eigene Berechnungen aus den genannten Zahlen.