Die folgende Tabelle stellt dokumentierte Ereignisse nebeneinander. Alle Daten sind durch die angegebenen Primärquellen belegt.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 30.01.2020 | Die WHO erklärt COVID-19 zum internationalen Gesundheitsnotstand (PHEIC) — der höchsten Alarmstufe der Organisation. Zu diesem Zeitpunkt gibt es 98 bestätigte Fälle in 18 Ländern außerhalb Chinas. [1] |
| 30.01.2020 | BR quer sendet einen Beitrag, in dem Warnungen vor COVID-19 als Panikmache und Verschwörungstheorie eingeordnet werden. Moderator: Christoph Süß, Reporterin: Stephanie Probst. [2][3] |
| 03.03.2020 | Die Sozialpsychologin Pia Lamberty und Koautor Daniel Jolley veröffentlichen auf der Agenda-Plattform des Weltwirtschaftsforums (WEF) einen Artikel, der Personen, die vor COVID-19 warnen oder Maßnahmen wie Grenzschließungen fordern, mit Verschwörungstheoretikern gleichsetzt. [4] |
| 09.03.2020 | Italien verhängt einen landesweiten Lockdown. [5] |
| 11.03.2020 | Die WHO erklärt COVID-19 zur Pandemie. Zu diesem Zeitpunkt sind über 118.000 Fälle in 114 Ländern und 4.291 Todesfälle dokumentiert. [1] |
| 11.03.2020 | Auf Nachfrage, ob die quer-Redaktion das Video bereue: Nein. [3] |
| März 2020 | BR quer löscht den Beitrag aus der Mediathek und von YouTube — ohne öffentliche Korrektur oder Entschuldigung gegenüber den Zuschauern. [2][6] |
Das Original ist nicht mehr abrufbar. Der folgende Inhalt ist aus zeitgenössischen Berichten vom März 2020 rekonstruiert und als solcher gekennzeichnet. Laut übereinstimmenden Quellen enthielt der Beitrag sinngemäß folgende Aussagen:
Der Beitrag wurde am selben Tag ausgestrahlt, an dem die WHO ihren höchsten Alarm ausrief.
Die quer-Redaktion hat die Löschung in einer schriftlichen Stellungnahme selbst begründet, die in zeitgenössischen Medienberichten dokumentiert ist:
„quer hat Ende Januar in einem Video den zu diesem Zeitpunkt wuchernden Verschwörungstheorien über das Corona-Virus ('Alles ist viel schlimmer als die Regierung zugibt', 'Sofort alle Grenzen schließen') die damals bekannte Faktenlage entgegengestellt. Viele dieser Verschwörungstheorien wurden von einschlägigen, meist rechten Trollen im Netz verbreitet. […] Dennoch haben wir das Video gelöscht, nicht heimlich, sondern im Rahmen unserer normalen journalistischen Sorgfalt. Der Grund: Die Faktenlage hat sich geändert." — BR quer, Redaktionsstellungnahme, dokumentiert in: Tichys Einblick, 16.03.2020 [3]
Eine öffentlich zugängliche Korrektur, ein Hinweis in der Mediathek oder eine Entschuldigung gegenüber Zuschauern wurde nicht veröffentlicht. Die Aussage, das Video sei „nicht heimlich" gelöscht worden, ist insofern bemerkenswert, als keine aktive Kommunikation gegenüber dem Publikum dokumentiert ist.
Pia Lamberty ist Mitgründerin und Geschäftsführerin von CeMAS (Center für Monitoring, Analyse und Strategie), einer Organisation, die Behörden und Plattformbetreiber in Fragen von Desinformation und Verschwörungsideologien berät. Sie ist gleichzeitig als „Agenda Contributor" beim Weltwirtschaftsforum (WEF) gelistet — dokumentiert auf der WEF-Autorenprofilseite. [4][7]
Ihr WEF-Artikel vom 3. März 2020 — 40 Tage vor der Pandemie-Ausrufung, aber 33 Tage nach dem WHO-Gesundheitsnotstand — argumentierte, Personen die Verschwörungstheorien über COVID-19 glauben, würden weniger wahrscheinlich Gesundheitsempfehlungen wie Händewaschen oder Selbstisolation befolgen. Der Artikel unterschied dabei nicht zwischen nachweislich falschen Behauptungen (etwa das Trinken von Bleiche als Schutzmaßnahme) und Frühwarnungen vor der Gefährlichkeit des Virus oder Forderungen nach Grenzschließungen.
Ob ein Zusammenhang zwischen der WEF-Contributor-Tätigkeit und den Beratungsleistungen für öffentlich-rechtliche Sender besteht, ist nicht dokumentiert. Die Verbindung wird hier ohne Wertung festgehalten.
| Person / Organisation | Funktion | Beleg |
|---|---|---|
| Pia Lamberty | Geschäftsführerin CeMAS | cemas.io/team/ |
| Pia Lamberty | WEF Agenda Contributor | weforum.org |
| CeMAS | Beratung von Behörden und Plattformen zu Desinformation | cemas.io |
| BR quer | ÖRR-Magazin, Bayerischer Rundfunk (ARD) | br.de |
Diese Dokumentation erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Folgende Fragen sind auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen nicht abschließend beantwortbar: