Ein privater Stiftungsgründer ohne Wählerauftrag, ohne medizinische Ausbildung, ohne demokratische
Legitimation erklärt der deutschen Öffentlichkeit, wie die Weltbevölkerung geimpft werden soll.
Die Tagesthemen geben ihm dafür ausführlich Raum — zur besten Sendezeit, am Ostersonntag.
5,6 Millionen Zuschauer. Keine kritische Gegenfrage. Ein Interview, das Fragen aufwirft —
die erst heute gestellt werden.
12. April 2020 — Was gesendet wurde
Moderator Ingo Zamperoni interviewt Bill Gates in den Tagesthemen. Das Interview ist, wie der
Tagesspiegel damals schreibt, „bemerkenswert und zeitlich sehr ausführlich." Gates spricht
über Impfstoffe, über Zeitpläne, über globale Koordination. Er sagt, man werde den Impfstoff
„letztlich sieben Milliarden Menschen verabreichen." Er sagt, die Entwicklung dauere normalerweise
fünf Jahre — jetzt versuche man, diesen Zeitraum zu komprimieren.
Was er außerdem sagt, fällt im Sendefluss kaum auf. Im zeitgleich veröffentlichten CNBC-Interview
rechnet er vor: Bei einer von 10.000 Impfungen könne es zu Nebenwirkungen kommen. Bei sieben
Milliarden Geimpften wären das 700.000 Menschen. Wörtlich: „Seven hundred thousand
people who will suffer from that." Und weiter: Regierungen müssten involviert sein — „because there
will be some risk and indemnification needed."
„Wir werden den zu entwickelnden Impfstoff letztendlich sieben Milliarden Menschen verabreichen.
Da können wir uns keine Probleme mit bedrohlichen Nebenwirkungen leisten. Und doch werden wir
die Entscheidung über einen Impfstoff auf einer geringeren Datengrundlage als sonst fällen,
damit wir schnellere Fortschritte erzielen."
Bill Gates · Tagesthemen, 12. April 2020
Zamperoni fragt ihn, wie er den Umgang seiner Regierung mit der Pandemie bewertet. Gates lächelt
und weicht aus. Das Interview endet ohne Widerspruch, ohne Einordnung, ohne die Frage, welche Rolle
seine Stiftung bei der Finanzierung von Impfstoffentwicklern spielt.
Was hätte gefragt werden können
Gates erklärt den Zeitplan für einen Impfstoff.
Gates' Stiftung ist gleichzeitig Investor bei mehreren Impfstoffherstellern. Interessenkonflikt?
Gates spricht von globaler Koordination „unserer Stiftung."
Wer hat ihn eingeladen? Mit welchem Mandat spricht er für die Weltbevölkerung?
Gates rechnet 700.000 mögliche Betroffene als kalkuliertes Risiko.
Wer haftet? Wer entscheidet? Was passiert mit denen, die Schäden erleiden?
Gates' Stiftung fördert unter anderem BioNTech, Moderna-Vorläufer, GAVI, WHO.
Welche Medien erhielten Förderung der Gates-Stiftung? Auch ARD-nahe Formate?
Wie das Interview zustande kam — die IFG-Antwort
Ein Bürger stellte im Mai 2020 über FragDenStaat eine IFG-Anfrage an ARD-aktuell:
Wie kam das Interview zustande? Gibt es Verträge, Regieanweisungen, Absprachen mit Gates oder
seiner Stiftung?
Die ARD-Antwort, dokumentiert auf FragDenStaat: Der Kontakt entstand über das ARD-Studio
New York. Die Redaktion habe Gates „in mehreren US-Sendungen gesehen und über seine Arbeit
gelesen." Für Interviews gebe es „grundsätzlich keine Verträge oder Regieanweisungen."
Was die Gates-Stiftung an Medien zahlte
Laut Auswertung des US-Medienportals MintPress spendete die Bill & Melinda Gates Foundation
über 319 Millionen Dollar an internationale Medienhäuser.
Auf der Liste: BBC, Guardian, Financial Times, Daily Telegraph (UK), CNN, NBC, NPR, PBS (USA),
Al-Jazeera, Le Monde (Frankreich), Der Spiegel (Deutschland), El País (Spanien).
Der Spiegel bestätigt die Förderung für das Ressort „Globale Gesellschaft" und versichert
redaktionelle Unabhängigkeit — räumt aber ein: Die Stiftung definiert die Themenfelder.
Die Tagesthemen selbst tauchen in der bekannten Spendenliste nicht auf.
Was bekannt ist: Das ARD-nahe Jugendformat „Kurzgesagt" erhielt eine Großspende der Gates-Stiftung.
Die Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien fragte die ARD danach — und
erhielt keine substanzielle Antwort.
Was inzwischen bekannt ist — die Zahlen aus Deutschland
Gates kalkulierte 700.000 Betroffene weltweit als akzeptables Risiko. Was sagen die deutschen
Behördendaten dazu?
63.909
schwerwiegende Verdachtsfälle nach COVID-Impfung in Deutschland
(PEI, Stand 31.12.2024)
21×
mehr Nebenwirkungs-Meldungen als bei allen anderen Impfungen zusammen
(Bundesregierung, Okt. 2024)
~1 Mio.
Verdachtsmeldungen, still auf PEI-Website veröffentlicht
am 28. November 2024 — ohne Pressemitteilung
Methodische Einordnung: Verdachtsfallmeldungen sind keine bestätigten Impfschäden.
Das PEI betont, ein kausaler Zusammenhang sei in vielen Fällen nicht belegt. Der 21-fache Unterschied
zu anderen Impfungen ist dennoch eine behördlich dokumentierte Auffälligkeit — und als solche
berichterstattungswürdig. Quellen: PEI-Sicherheitsbericht 31.12.2024; Bundesregierung auf Anfrage
BSW-MdB Jessica Tatti, Oktober 2024.
Die Frage, die bleibt
Es geht nicht darum, ob Bill Gates böse ist. Es geht um eine einfachere Frage:
Nach welchen Kriterien entscheidet eine öffentlich-rechtliche Redaktion, wem sie zur besten
Sendezeit ein ausführliches, unkritisches Interview gibt?
Ein gewählter Politiker muss sich Fragen stellen lassen. Ein Wissenschaftler muss seine
Interessenkonflikte offenlegen. Ein Stiftungsgründer, der gleichzeitig in Impfstoffhersteller
investiert und globale Impfkampagnen mitfinanziert, sitzt in den Tagesthemen — und wird nicht
gefragt, was er daran verdient.
Dieses Interview wurde nicht von einem Algorithmus empfohlen. Es wurde von einer Redaktion
entschieden, vorbereitet, gesendet. 5,6 Millionen Menschen haben es gesehen.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wird durch Pflichtbeiträge finanziert — nicht damit
Stiftungsgründer ohne Gegenfrage erklären dürfen, wie sieben Milliarden Menschen geimpft
werden sollen. Die Tagesthemen hatten die Aufgabe, kritisch zu fragen. Sie haben sie nicht
wahrgenommen. Das ist dokumentiert. Das reicht.
Quellen
- ARD/Tagesschau: Tagesthemen-Interview mit Bill Gates, 12.04.2020 —
tagesschau.de
- Tagesspiegel: „Tagesthemen gehen in die Verlängerung", August 2022 —
tagesspiegel.de
- FragDenStaat: IFG-Anfrage zur Organisation des Gates-Interviews, Mai 2020 —
fragdenstaat.de
- Paul-Ehrlich-Institut: Pharmakovigilanzbericht COVID-19-Impfstoffe, Stand 31.12.2024 —
pei.de
- Bundesregierung (Antwort auf Anfrage BSW-MdB Jessica Tatti), Oktober 2024 — zitiert nach:
cicero.de
- PEI: Excel-Rohdaten Verdachtsfallmeldungen COVID-19-Impfstoffe, veröffentlicht 28.11.2024 —
pei.de
- taz: „Stiftungsfinanzierter Journalismus", Februar 2020 —
taz.de
- Infosperber: „Gates-Stiftung: eine potente Medienförderin", April 2022 —
infosperber.ch
- Europäisches Parlament: Parlamentarische Anfrage P-002990/2024, Dezember 2024 —
europarl.europa.eu