Deutschlandfunk wirbt bei Hotel Matze: Eine Werbepartnerschaft und ihre Auswahlkriterien
Der gebührenfinanzierte Deutschlandfunk bewirbt sein Format „Unboxing News" im Podcast „Hotel Matze". Ein Fall wirft die Frage auf, nach welchen Kriterien eine ÖRR-Anstalt auswählt, welche externen Formate sie unterstützt.
„Hotel Matze" ist ein seit 2016 laufender Interview-Podcast des Moderators Matze Hielscher, produziert und vermarktet über die Berliner Agentur „Mit Vergnügen". Zu den Gästen zählten in der Vergangenheit unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz, der nach eigenen Angaben des Formats bereits mehrfach zu Gast war. In der aktuellen Werbepartner-Übersicht des Podcasts findet sich neben kommerziellen Partnern wie MediaMarkt Saturn, Lidl oder Surfshark auch ein öffentlich-rechtlicher Sender.
Der Beleg
Auf der offiziellen Linktree-Seite von Hotel Matze, auf die der Podcast in jeder Folge unter „Werbepartner & Rabatte" verweist, findet sich der Eintrag: „Deutschlandfunk: Unboxing News – persönliche Stories hinter den Schlagzeilen." Damit bewirbt der Deutschlandfunk – einer von drei Sendern der Anstalt Deutschlandradio, neben Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova – dort sein eigenes Podcast-Format „Unboxing News". In derselben Liste finden sich unter anderem auch NDR Info mit dem Format „Amerika, wir müssen reden".
Die Beobachtung aus dem Publikum
Der Facebook-Nutzer Alexander Teske griff den Vorgang in einem vielbeachteten Beitrag vom 26. Juni auf (104 Reaktionen, 22 Kommentare). Er zitiert Matze Hielscher mit den Worten: „Vielen Dank an meinen Werbepartner Deutschlandradio für die Unterstützung dieser Sendung." Teske schreibt, er habe daraufhin beim Deutschlandradio nachgefragt und dabei zwei Dinge bestätigt bekommen: dass die Partnerschaft besteht, und dass sie damit begründet wird, dort werde die passende Zielgruppe erreicht. Teske ordnet ein, dass Hotel Matze eher ein links-grünes Publikum anspreche, und vermutet – ohne dies zu belegen –, dass ein Podcast wie „Ungeskriptet" von Ben Berndt eine solche Unterstützung durch das Deutschlandradio nicht erhalten würde. Nach seinen Angaben machte die Anstalt zur Zahl ihrer Kooperationen keine näheren Angaben, nannte aber die Gesamtzahl eigener Podcasts mit rund 200.
Einordnung
Zwei Ebenen sind hier zu unterscheiden. Kategorie 1 – die Linktree-Angabe selbst – ist unstrittig belegt: Der Deutschlandfunk bewirbt tatsächlich sein Format bei Hotel Matze. Kategorie 3 – Teskes Wiedergabe des Gesprächs mit dem Deutschlandradio und seine Zielgruppen-These – ist eine unverifizierte Zweitquelle. Weder der genaue Wortlaut der Anstalts-Antwort noch eine schriftliche Bestätigung liegen öffentlich vor. Der von Teske angeführte Vergleich mit „Ungeskriptet" von Ben Berndt bleibt eine unbelegte Vermutung und keine Tatsachenbehauptung.
Unabhängig von der Frage der Auswahlkriterien wirft der Fall eine grundsätzlichere Frage auf: Nach welchen Maßstäben entscheidet eine gebührenfinanzierte Anstalt, welche privaten, kommerziell vermarkteten Podcast-Formate sie durch Werbeplatzierungen unterstützt – und wird dieser Auswahlprozess irgendwo dokumentiert oder extern geprüft?
Fairness-Hinweis: Die naheliegende Gegenposition
Aus Sicht einer Rundfunkanstalt ist Eigenwerbung für ein eigenes Podcast-Format in einem reichweitenstarken, thematisch passenden Podcast zunächst ein gewöhnlicher Marketingvorgang, wie ihn auch private Sender betreiben. Dass die Zielgruppe eines Podcasts zur beworbenen Sendung passt – hier: Menschen, die sich für Gesellschaft und Nachrichteneinordnung interessieren –, ist ein nachvollziehbares Auswahlkriterium und für sich genommen kein Beleg für politische Schlagseite. Eine Bewertung, ob die Auswahl insgesamt einseitig ausfällt, würde eine systematische Übersicht aller Werbekooperationen des Deutschlandfunks über mehrere Podcasts hinweg voraussetzen, nicht nur einen Einzelfall.
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