Aufreger · Religionsberichterstattung

Zwei Maßstäbe,
eine Kasse

Christliche Fußballer werden vom ARD-Faktenfinder als Risiko behandelt. Islamische Verhüllungsmode wird vom BR ohne kritische Einordnung beworben. Beide Beiträge wurden mit Rundfunkbeiträgen finanziert. Eine Dokumentation.

Veröffentlicht: Juni 2026
Kategorie: Religiöse Berichterstattung · Redaktionelle Standards
Sender: ARD · Deutschlandfunk · BR · Funk
Redaktioneller Hinweis Dieser Artikel dokumentiert konkrete Sendebeiträge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und stellt sie einander gegenüber. Er bewertet weder Religionen noch nimmt er zu theologischen Fragen Stellung. Die Frage, die hier gestellt wird, ist ausschließlich eine journalistische: Gelten für verschiedene Religionen dieselben redaktionellen Maßstäbe — und wenn nicht, warum nicht?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk versteht sich als weltanschaulich neutral. Der Rundfunkstaatsvertrag verpflichtet ARD, ZDF und Deutschlandradio zu ausgewogener Berichterstattung — auch in Fragen der Religion. Was in der Praxis passiert, lässt sich an konkreten Beiträgen ablesen. Drei davon sind besonders aufschlussreich.

Fall 1: ARD warnt vor christlichen Fußballern

Im Mai 2025 veröffentlichte der ARD-Faktenfinder einen Beitrag über christliche Fußballprofis. Im Mittelpunkt: Davie Selke (HSV) und Felix Nmecha (Borussia Dortmund), die mit Shirts der Aufschrift „Jesus is King" aufgetreten waren und Verbindungen zu evangelikalen Organisationen pflegten.

„Manche Fußballprofis leben ihren Glauben ganz offen. Auf den ersten Blick vielleicht harmlos. Kritikerinnen und Kritiker sagen aber: Achtung, in manchen Fällen könnte dahinter auch gezielte Missionsarbeit stecken." — ARD-Faktenfinder, Mai 2025

Der Beitrag warf den Spielern vor, ein „problematisches Weltbild" zu verbreiten und junge Menschen zu prägen. Nmecha wurde namentlich und scharf kritisiert. Der Deutsche Fußball-Bund erklärte, man respektiere die Überzeugungen der Spieler — der Sender ließ das nicht unkommentiert stehen.

Nach einer formellen Programmbeschwerde eines CDU-Bundestagsabgeordneten musste die ARD den Artikel nachträglich korrigieren und das zugehörige Video aus der Mediathek löschen. Die Zwischenüberschrift „Kritik an Profi Felix Nmecha" wurde gestrichen.

Nachklang · Juni 2026
Nmecha betet nach dem 7:1 gegen Curaçao — weltweit Zuspruch, beim Deutschlandfunk: Warnung

Beim WM-Auftakt am 14. Juni 2026 schoss Felix Nmecha das erste Tor für Deutschland. Nach Abpfiff versammelte er sich mit Jonathan Tah und Spielern Curaçaos im Mittelkreis zum gemeinsamen Gebet. Nmecha sagte am ARD-Mikrofon: „Im Spiel sind wir Gegner, aber nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder." Die Szene wurde weltweit geteilt und gefeiert — auch von Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, der schlicht „Amen" kommentierte.

Am selben Sonntag, noch vor dem Anpfiff, widmete der öffentlich-rechtliche Deutschlandfunk Kultur dem Thema „Christen im Fußball" einen eigenen Beitrag — mit warnendem Tenor. Der Zeitpunkt war kein Zufall: Der Sender war informiert, dass Nmecha mit seiner Bibel in der Hand aus dem Mannschaftsbus gestiegen war.

Fall 2: Funk feiert den Hijab als Feminismus

Funk, das gemeinsame Jugendangebot von ARD und ZDF, veröffentlichte im Format „Die Datteltäter" ein Video unter dem Titel „Mein Kopftuch, meine Wahl". Darin wurde der islamische Hijab als „Würde", „Antirassismus", „Schutz" und „Feminismus" präsentiert — ohne kritische Einordnung, ohne Gegenstimmen von Frauen, die in islamisch geprägten Gesellschaften für das Recht kämpfen, ihn abzulegen.

„Mein Hijab ist Feminismus, der für Freiheit und Würde steht." — Funk / Die Datteltäter, „Mein Kopftuch, meine Wahl"

Der Zentralrat der Ex-Muslime organisierte daraufhin eine Protestdemonstration in Köln. Kritiker wiesen darauf hin, dass dieselbe Redaktion, die christliche Glaubensbezeugungen von Fußballern als potenziell problematisch behandelte, islamische Verschleierungssymbolik unkritisch als progressives Modegespräch inszenierte.

Fall 3: BR bewirbt islamische Verhüllungsmode — Frauenbild inklusive

Am 15. Juni 2026 — einen Tag nach dem deutschen WM-Auftakt — sendete der Bayerische Rundfunk einen Beitrag über einen Nürnberger Laden für „Modest Fashion", islamische Verhüllungsmode. Der Beitrag wurde mit den Worten eingeleitet: „Ein Gegentrend: Modest Fashion. Mode, die weniger Haut zeigt, und den Körper größtenteils bedeckt."

Im Verlauf des Beitrags kam der Ehemann der Ladeninhaberin zu Wort. Er erklärte dem Publikum, warum Frauen sich im Islam verhüllen müssen:

„Im islamischen Glauben müssen Frauen sich bedeckt anziehen. Was wichtig ist, sollte auch geschützt werden. Wie ein Handy, das mit einer Hülle geschützt wird. Eine Frau ist auch sehr wichtig, mit allen Körperteilen, und deswegen sollte eine Frau auch geschützt werden. Sie sollte kein Objekt für andere Männer sein." — Ehemann der Inhaberin, unkommentiert im BR-Beitrag, 15. Juni 2026

Der Sprecher des Beitrags ließ diese Aussage vollständig ohne journalistische Einordnung stehen. Das Frauenbild, das hier formuliert wird — Frauen als schutzbedürftige Objekte, die durch Kleidung vor männlichen Blicken zu sichern sind — wurde nicht hinterfragt, nicht kontextualisiert, nicht mit einer Gegenstimme versehen. Der BR präsentierte es als Lifestyle-Beitrag.

Die Gegenüberstellung

Drei Beiträge, drei Sender, ein Muster. Zur Übersicht:

Sender Religion Inhalt Redaktionelle Haltung
ARD Faktenfinder Christentum Fußballprofis tragen „Jesus is King"-Shirts, beten öffentlich Warnung
„Verdeckte Missionsarbeit", „problematisches Weltbild" — Video nach Beschwerde gelöscht
Deutschlandfunk Christentum Christliche Spieler bei der WM 2026 Warnung
Beitrag mit warnendem Tenor am selben Tag wie Nmechas weltweit gefeiertes Gebet
Funk (ARD/ZDF) Islam Hijab als Modeaccessoire und Symbol Feier
„Feminismus", „Würde", „Freiheit" — ohne Gegenstimme
BR Islam Modest Fashion-Laden, Frauenverhüllung als islamische Pflicht Werbung
Frauenbild „wie ein Handy" unkommentiert übernommen

Was nicht behauptet wird

Klarstellung

Die journalistische Frage

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist durch den Rundfunkstaatsvertrag zu Ausgewogenheit und Überparteilichkeit verpflichtet — explizit auch in weltanschaulichen und religiösen Fragen. Das ist kein Detail, sondern Kernbegründung für die Pflichtfinanzierung durch alle Haushalte, unabhängig von deren Religionszugehörigkeit.

Wenn Spieler, die sich öffentlich zu Jesus bekennen, als mögliche Missionare eingeordnet werden, während ein Sender einem Mann unwidersprochen zuhört, der Frauen mit Handys vergleicht — dann ist das kein redaktioneller Zufall. Es ist ein Muster, das dokumentiert und benannt werden muss.

Der Rundfunkbeitrag wird von Menschen aller Religionen bezahlt. Der Anspruch auf gleiche Behandlung ist damit nicht nur ein journalistisches Ideal, sondern eine institutionelle Verpflichtung.

Weiterführende Analysen

Quellen

  1. ARD-Faktenfinder, Mai 2025: Beitrag über christliche Fußballprofis — nach Programmbeschwerde korrigiert und Video gelöscht. apollo-news.net
  2. EWTN.de, 3. Juni 2025: ARD-Faktenfinder warnt vor öffentlich gelebtem Glauben christlicher Fußballprofis. ewtn.de
  3. Apollo News, 15. Juni 2026: Nationalspieler Nmecha sorgt mit christlichem Gebet weltweit für Zuspruch — Deutschlandfunk warnt vor ihm. apollo-news.net
  4. Ruhrbarone, Februar 2022: Hijab-Propaganda — Protest-Demo gegen ARD/ZDF-Jugendkanal Funk. ruhrbarone.de
  5. NIUS, 15. Juni 2026: Bayerischer Rundfunk bewirbt Islamisten-Verhüllung — „Eine Frau ist wertvoll wie ein Handy". nius.de
  6. Kirche-und-Leben.de, 15. Juni 2026: Nach DFB-Sieg: Gebet von Nmecha sorgt für Aufsehen. kirche-und-leben.de