Ende April 2026 veröffentlichte Benjamin Berndt auf seinem YouTube-Kanal ungeskriptet ein viereinhalbstündiges Gespräch mit dem thüringischen AfD-Politiker Björn Höcke. Das Video wurde in wenigen Tagen mehrere Millionen Mal aufgerufen. Was danach folgte, ist dokumentiert.
Der Reihe nach.
Medialer Druck
Spiegel, Frankfurter Rundschau und etablierte Redaktionen reagierten mit Empörung. Das Format wurde als journalistisches Versagen eingestuft — ein Gespräch ohne permanente Unterbrechungen, ohne NS-Vorwürfe, ohne Einordnung durch den Gastgeber.
Florian Schroeder, ARD-Moderator und WDR2-Kolumnist, veröffentlichte auf seinem privaten YouTube-Kanal zwei Videos: „Das größte Podcast-Versagen: Björn Höcke x Ben ungeskriptet" (125.519 Aufrufe) und „Ben und Höcke! Die braune Kloake tobt!" (44.961 Aufrufe). Die Kommentarspalten unter Schroeders Videos zeigten das Niveau, das er anderswo kritisiert.
Quelle: YouTube-Kanal Florian Schroeder, abgerufen 27.06.2026 · Cicero, 03.05.2026
Politischer Angriff — monetär und existenziell
Die ehemalige SPD-Vorsitzende Saskia Esken veröffentlichte via Instagram ein Video aus dem Bundestag. Darin forderte sie Werbepartner explizit auf, ihre Buchungen beim Podcast zu überprüfen.
„Unternehmen, deren Werbung in einem solchen Podcast ausgespielt wird, sollten mal schauen, wie sich das abstellen lässt. Ich sag mal: Blacklisting hilft."
Berndt kommentierte: „Wenn ich mich unterwerfe, zensieren sich Tausende andere Podcaster potenziell selbst." Er identifizierte die Botschaft als strukturelle Warnung an alle unabhängigen Medienmacher: Wer mit unerwünschten Gästen spricht, riskiert seine Finanzierungsgrundlage.
Quelle: Junge Freiheit, 06./07.05.2026 · t-online, 26.06.2026
Behördlicher Eingriff
Am 15. Juni 2026 erhielt die ungeskriptet media GmbH in Köln eine E-Mail der Abteilung Recht der Landesanstalt für Medien NRW (LfM). Frist: 30. Juni. Berndt solle mitteilen, ob er den Höcke-Beitrag auf allen Plattformen angepasst und um eine Erläuterung ergänzt hat.
Auslöser war eine Passage, in der Höcke erklärte, die SA habe kein Motto gehabt. Die LfM sieht darin eine wissenschaftlich widerlegte Tatsachenbehauptung, der Berndt nicht widersprochen habe — und damit eine mögliche Verletzung journalistischer Grundsätze.
Berndt lehnte eine Änderung ab. Er machte den Vorgang öffentlich und wies darauf hin, dass der Slogan der LfM NRW lautet: „Der Meinungsfreiheit verpflichtet."
Quelle: Apollo News, 26.06.2026 · t-online, 26.06.2026 · Junge Freiheit, 27.06.2026
Was der ÖRR tat
Das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem schwieg weitgehend über den viralen Erfolg des Gesprächs. Sechs Millionen Aufrufe auf YouTube, Platz sieben der deutschen Spotify-Podcast-Charts — diese Zahlen wurden im ÖRR nicht als medienpolitisches Signal thematisiert, sondern allenfalls als Bedrohung gerahmt.
Eine Ausnahme: Das ZDF hatte Berndt bereits im Februar 2026 in das Diskussionsformat 13 Fragen zum Thema Meinungsfreiheit eingeladen. NIUS beschrieb die Sendung als Situation, in der sich Berndt einem Tribunal stellen musste, statt eine Debatte zu führen.
Die Landesmedienanstalten wurden ursprünglich gegründet, um private Rundfunksender zu kontrollieren. Mit dem Medienstaatsvertrag 2020 erhielten sie Zuständigkeit auch für Internetangebote. Seit 2020 hat die LfM NRW nach eigenen Angaben 38 solcher Hinweise an Kanal-Betreiber verschickt. In den meisten Fällen folgten Anpassungen.
Berndts Weigerung ist damit die Ausnahme — und sein öffentliches Bekanntmachen des Vorgangs der Grund, warum der Fall dokumentiert ist.
Die Asymmetrie
Florian Schroeder ist seit mehr als zwanzig Jahren als ARD-Moderator tätig und regelmäßig als Kolumnist bei WDR2 zu hören. Er betreibt parallel einen privaten YouTube-Kanal, auf dem er das Höcke-Gespräch mit Begriffen wie „braune Kloake" kommentierte.
Die Reichweite: Schroeders Videos zu diesem Thema erzielten zusammen rund 170.000 Aufrufe. Bens Höcke-Folge: über sechs Millionen.
Die Frage, die dieser Befund aufwirft, ist keine inhaltliche. Sie ist struktureller Natur: Ein durch Rundfunkgebühren finanzierter Akteur nutzt seine öffentliche Sichtbarkeit, um Stimmung gegen einen unabhängigen Mitbewerber zu erzeugen — während der unabhängige Mitbewerber gleichzeitig von einer Politikerin mit wirtschaftlichem Druck belegt und von einer Behörde zur Nachbearbeitung aufgefordert wird.
Ende April 2026 — Höcke-Folge erscheint, binnen Tagen mehrere Millionen Aufrufe.
Mai 2026 — Mediale Empörungswelle; Esken fordert öffentlich Werbeboykott und „Blacklisting".
15. Juni 2026 — LfM NRW sendet Fristsetzung an ungeskriptet media GmbH.
27. Juni 2026 — Berndt macht den Behördenvorgang öffentlich. Frist läuft am 30. Juni ab.