ZDF-Interview zwischen Dunja Hayali und Alice Weidel nach dem AfD-Bundesparteitag
Am 5. Juli 2026 führte ZDF-Moderatorin Dunja Hayali im „heute journal" ein Live-Interview mit der wiedergewählten AfD-Ko-Bundesvorsitzenden Alice Weidel. Anlass war der AfD-Bundesparteitag in Erfurt. Das rund neunminütige Gespräch war von wiederholten gegenseitigen Unterbrechungen geprägt und wurde im Nachgang kontrovers diskutiert.
Kontext Parteitag: Alice Weidel wurde am 4. Juli 2026 mit 81,3 % der Delegiertenstimmen als Ko-Bundesvorsitzende bestätigt, Tino Chrupalla erhielt 70 %.
Proteste: Nach Polizeiangaben nahmen rund 31.000 Menschen an Demonstrationen, Kundgebungen und Sitzblockaden teil. Die Polizei zählte 48 Straftaten und 11 Ordnungswidrigkeiten.
Ablauf des Interviews
Hayali eröffnete mit einer Frage zur innerparteilichen Durchsetzungsfähigkeit Weidels. Weidel reagierte darauf mit Kritik am vorangegangenen Nachrichtenbeitrag des ZDF und warf der Redaktion ein „Framing" vor, das die AfD pauschal als rechtsextrem darstelle.
„Ich weise dieses Framing, dass die AfD oder Teile der Alternative für Deutschland Rechtsextremisten sind, aufs Schärfste zurück." Alice Weidel, ZDF „heute journal", 05.07.2026 — Quelle: Berliner Zeitung
Hayali wies daraufhin, dies sei nicht die gestellte Frage gewesen, und wiederholte ihre Ausgangsfrage. Im weiteren Verlauf sprachen beide unter anderem über die Verfassungsschutz-Einstufung der Partei, den Umgang mit den Protesten in Erfurt, das Gendern sowie den AfD-Politiker Stefan Möller. Hayali beendete einen Wortwechsel mit dem Satz, die „Opferrolle" könne man „gerne ein andermal" besprechen.
Faktenlage: Verfassungsschutz-Einstufung
Ein zentraler Streitpunkt des Interviews war die Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz. Die tatsächliche Rechtslage ist mehrstufig und wird in der öffentlichen Debatte häufig verkürzt dargestellt:
Im Interview wurde diese Differenzierung zwischen Bundespartei und einzelnen Landesverbänden nicht im Detail ausgeführt.
Reaktionen
Die Reaktionen auf das Interview fielen entlang politischer Lager unterschiedlich aus. Auf Plattformen wie X wurde das Gespräch von AfD-nahen Kommentatoren als „Interview des Jahres" bezeichnet, Hayalis Fragetechnik als parteiisch kritisiert. Journalist Alexander Wallasch bezeichnete Hayali als „zutiefst verbittert", Weidel hingegen als „bewundernswert gutmütig" — eine Einordnung, die vor dem Hintergrund von Wallaschs eigener publizistischer Positionierung als AfD-naher Kommentator zu lesen ist. Auf Hayalis Instagram-Kanal äußerten sich unter anderem Nutzer positiv über ihre Gesprächsführung, darunter die SPD-Bundestagsabgeordnete Derya Türk-Nachbaur.
Historischer Kontext (2018)
Die Frage der journalistischen Neutralität wurde von zwei der beteiligten ÖRR-Journalisten bereits 2018 öffentlich diskutiert. Beim Panel „Journalismus im Netz: Zwischen Fakten, Fake, Haltung und Hate" auf der re:publica am 2. Mai 2018 saßen Georg Restle, Dunja Hayali, Kai Gniffke und Silke Burmester gemeinsam auf dem Podium.
Ein Wortlaut-Transkript des Panels ist nicht öffentlich verfügbar; die Aufzeichnung selbst ist bei dctp.tv archiviert.
Quelle (Video): re:publica 18 — „Journalismus im Netz: Zwischen Fakten, Fake, Haltung und Hate", 02.05.2018, Stage 2. Teilnehmer: Georg Restle, Dunja Hayali, Kai Gniffke, Silke Burmester.
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