Stuttgarter Moderationspreis 2026: Auszeichnung für BR-Reportage „Vulva Watching"
Am 25. Juni 2026 wurden im Rahmen eines Festakts im SpardaWelt Eventcenter in Stuttgart die Preisträgerinnen des Stuttgarter Moderationspreises 2026 ausgezeichnet. In der Kategorie „Beste Moderation Video" ging einer der beiden Preise an Leah Nlemibe für die PULS-Reportage „Vulva Watching – Ich zeige fremden Frauen meine Vulva" (Bayerischer Rundfunk).
1. Der Fall im Wortlaut der Preisbegründung
Die Reportage wurde am 12.11.2025 auf dem BR-YouTube-Kanal „Puls Reportage" veröffentlicht. Darin nimmt Moderatorin Leah Nlemibe an einem sogenannten „Vulva-Watching-Kurs" teil, bei dem Frauen im Kreis sitzen, sich nacheinander entblößen und sich von den anderen Teilnehmerinnen kommentieren lassen. Die Jury des Instituts für Moderation (imo) an der Hochschule der Medien Stuttgart begründete die Auszeichnung so:
„Leah Nlemibe überzeugt mit einer offenen, reflektierten und authentischen Moderation, die das Publikum von der ersten Minute an mitnimmt. Sie verbindet persönliche Erfahrungen mit journalistischer Einordnung und schafft so einen Beitrag, der informiert, unterhält und zum Nachdenken anregt."
Der Preis wird von einer interdisziplinär besetzten Jury vergeben, der laut Veranstalter unter anderem Vertreter von SWR, der Grimme-Akademie und der Süddeutschen Zeitung angehören; Pate des Preises ist Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni. Gesponsert wird die Auszeichnung von der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg (Preisgeld insgesamt 6.000 Euro über alle Kategorien).
Quellen: hdm-stuttgart.de (Pressemitteilung); moderationzukunft.de (imo)
2. Öffentliche Reaktionen
Die Auszeichnung eines gebührenfinanzierten Formats mit explizit körperlichem Inhalt löste geteilte Reaktionen aus. Kritische Stimmen (u. a. Tichys Einblick, Apollo News, diverse X-Accounts) verwiesen darauf, dass ein „doch etwas irritierender" Beitrag mit Rundfunkbeitragsmitteln produziert und anschließend prämiert wurde. Der Blog danisch.de merkte an, dass trotz Nachfrage kein Weg bekannt sei, an einem der im Beitrag gezeigten „Vulva-Watching-Kurse" selbst teilzunehmen.
Fairness-Box
Zur Einordnung: Der Preis wurde nicht ausschließlich für „Vulva Watching" vergeben – in derselben Kategorie „Beste Moderation Video" zeichnete die Jury bewusst zwei Beiträge gleichzeitig aus, darunter auch Regina Steffens' investigative Dokumentation über sexuellen Missbrauch Minderjähriger im Netzwerk „764" (SPIEGEL Shortcut). Die Jury begründete dies damit, dass beide Beiträge „exemplarisch für unterschiedliche Formen herausragender journalistischer Moderation" stünden. Wer den Beitrag „Vulva Watching" inhaltlich bewertet, sollte diesen Kontext nicht auslassen.
Ob die Selbstdarstellung journalistisch begründet oder primär als Aufmerksamkeits-Format zu verstehen ist, ist eine Bewertungsfrage, zu der hier keine Position bezogen wird.
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