„Was haben wir gelacht": Wie eine ZDF-Koproduktion Gottschalk, Kulenkampff und Schmidt zu Symbolfiguren einer Ära macht
Am 16. Juli 2026 startete der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht" bundesweit in den Kinos, produziert von BASIS BERLIN Filmproduktion in Koproduktion mit dem ZDF. Regie führten Eva Müller und Isabel Schneider. Der Sender begleitete den Kinostart redaktionell mit einem Beitrag im heute journal (13.07.2026) sowie mehreren ZDFheute-Artikeln.
1. Worum es geht – laut ZDF und offiziellen Filmangaben
Im Mittelpunkt stehen fünf Interviewpartnerinnen: Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins. Sie blicken auf das von Männern dominierte Unterhaltungsfernsehen der 1990er- und 2000er-Jahre zurück. Regisseurin Eva Müller gegenüber ZDFheute:
„Ich bin 1979 geboren und habe in den 90ern viel ferngesehen. Trotzdem war ich geschockt, als ich die Ausschnitte heute noch einmal sah und merkte, wie wenig ich damals wahrgenommen habe, was da eigentlich los war."
Konkret benannte Beispiele aus dem Archivmaterial (laut Presseberichten zum Film): Harald Schmidt vergleicht Bettina Böttinger 1996 mit einer Klobrille, mit Verweis auf ihre Homosexualität. Thomas Gottschalk tätschelt bei „Wetten, dass..?" Iris Berben das Knie und kommentiert die Figur von Beyoncé. Bei Hans-Joachim Kulenkampff wird laut Presseberichten „die Schönheit der blonden Assistentin gepriesen".
Quellen: zdfheute.de (16.07.2026); tagesspiegel.de; prisma.de; dff.film
2. Wie der Film mit den benannten Männern umgeht
Die Regisseurinnen betonen in Interviews, keine „Humorpolizei" sein zu wollen, sondern die Mechanismen von Humor untersuchen zu wollen. Namentlich benannt und mit konkreten Archivszenen unterlegt werden im Film unter anderem Thomas Gottschalk, Harald Schmidt und Hans-Joachim Kulenkampff – alle drei posthum bzw., im Fall Gottschalks, ohne im Film selbst zu Wort zu kommen. Der Tagesspiegel beschreibt den Grundton als „meist solidarisch […] unter Feministinnen" ausfallend.
3. Reaktionen rund um den Kinostart
Die Reaktionen auf den Film und die parallel diskutierten Sexismus-Vorwürfe gegen Gottschalk fielen uneinheitlich aus:
- Esther Schweins erinnerte sich im Zuge der Doku-Berichterstattung öffentlich an unangenehme Knie-Tätschel-Szenen mit Gottschalk.
- Hella von Sinnen, selbst Protagonistin des Films, verteidigte Gottschalk kurz darauf öffentlich gegen die Sexismus-Debatte – nachdem sie zuvor Dieter Nuhr für Aussagen zu Femiziden scharf kritisiert hatte.
- Komiker Atze Schröder konterte Gottschalks Klage, man dürfe „nicht mehr sagen, was man denkt", mit einem Seitenhieb auf Männer seiner Generation, die sich als Opfer des gesellschaftlichen Wandels inszenierten.
- Das Portal Apollo News kommentierte den Film unter dem Titel „Hayali, die Wut-Feministen und die ZDF-Rache an Gottschalk und Schmidt" und sprach von einer „beleidigten Machtdemonstration rachedürstender Comedy-Frauen".
Quellen: berliner-kurier.de (17.07.2026); promiflash.de; apollo-news.net (Kommentar, keine Faktendarstellung)
Fairness-Box
Zwei Einordnungen sind hier wichtig, damit aus der Dokumentation keine einseitige Anklage wird:
Erstens: Die im Film gezeigten Szenen (Klobrillen-Vergleich, Knie-Tätscheln) sind durch Originalarchivmaterial belegt, nicht durch nachträgliche Interpretation der Regisseurinnen erfunden. Ihre Bewertung als „Sexismus" ist dennoch eine Einordnung von heute auf Maßstäbe von vor 20–30 Jahren – eine in der Medienkritik verbreitete, aber nicht unumstrittene Methode.
Zweitens: Die Formulierung „ZDF-Rache an Gottschalk und Schmidt" (Apollo News) ist eine wertende Interpretation einer einzelnen Kommentatorin, keine belegte redaktionelle Absicht des ZDF. Eine offizielle Stellungnahme des ZDF, die eine solche Absicht bestätigt, liegt nicht vor.
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